Sehnsucht 

Hast Du Sehnsucht? So wurde ich neulich gefragt. Eine interessante Frage. Ja – ich habe Sehnsucht. Nach vielen Dingen, die ich jetzt vermisse und besonders nach meinen Enkeln und Kindern. Nach meiner Familie. Nun sind es schon über 8 Wochen. So lang habe ich sie nicht gesehen. Das tut mir weh, richtig weh. Ich weiß ja, es soll nicht sein… Aber was ist Sehnsucht denn?

 

Sehnsucht ist die Vorstellung, wie ein erfülltes und glückliches Leben aussieht mit Anderen. Menschen kennen dieses Verlangen nach einer Person oder einem Zustand. Verbunden mit einem schmerzlichen Gefühl, wenn keine Hoffnung da ist, das Ersehnte zu erreichen. Ich glaube, der morgige Hirtensonntag berichtet davon: „Der Herr ist mein Hirte.“ So ist er überschrieben. Mit dem Psalm 23. Da hat einer Sehnsucht nach Geborgenheit. Und spricht das aus.

Bei Pierre Favre (einem katholischen Theologen, der vor über 500 Jahre geboren wurde) las ich: „Wenn Du gegen Gott weitherzig bleibst und er gegen dich, dann wirst du bald sehen, wie sich dir alles andere weit auftut und du für alles andere weiter offenbleibst. Suche darum das richtige Wort...so wirst du leicht das rechte Verhältnis zu deinem Nächsten finden, zum Freund wie zum Feind.“ 

In diese Balance zwischen Gelingen und Scheitern, Orientierung und Widersprüchen ermutigt mich Pierre Favre mich dort hineinzubegeben. Mitten in meinem Glauben an den Herren Christus: Christus möchte also von uns vor allem diese zwei Dinge: dass wir unseren Geist immer mehr zum Himmel erheben und dass wir in uns selbst einkehren, bis wir Gott in uns selbst finden. Dies führt nach innen zu unserem Kern.

Auf dem eigenen Weg weiß ich, wie wichtig es ist, dass die Sehnsucht nicht auf der Strecke bleibt. Denn unser Wollen und Streben und die Sehnsucht sind Schlüssel, dass Gott zu Menschen spricht. Sie wahrzunehmen, hilft uns entdecken, wer wir sind und was wir tun könnten. Sehnsucht ist ein Weg, wie Gott uns Menschen führt. So wie der Hirte. Morgen am Hirtensonntag. Ich mag diesen Sonntag. Er schenkt mir Hoffnung. Und Menschen brauchen das Innehalten und Achtsam-Sein, die Ausrichtung auf das Himmlische. Und die Stille. Ich brauche das begleitende und heilende Gespräch, um mit dem eigenen Herzen in Verbindung und im Kontakt mit Gott zu sein. Und vielleicht gelingt es mir dann, meine Sehnsucht einzufangen, auch nach den Menschen, die mir so fehlen. Denn Weit – und Großherzigkeit öffnet den Verstand.  Daher, wer auf dem Weg zu einer größeren Liebe sich bewegt, dem geht es um die Erfahrung von Gott geliebt zu sein. Und darum Gott selbst zu lieben, mit Ihm in Beziehung und Freundschaft zu sein. Das gibt Fundament und Halt. In schönen und in schwierigen Zeiten. 

Sehnsucht ordnet das Leben neu. Und Sehnsucht rechnet mit Gott.

Das kann auch bedeuten, freizugeben, was die eigene Seele beschwert. Gerade in einer Welt und besonders einer Zeit, die der Heilung bedarf. Sehnsucht ordnet mein Leben. Danke Gott, dass Du mein Hirte bist und mein Leben ordnest.

Gottes Segen zum Hirtensonntag wünscht

Ihnen Ihr Superintendent

E.F. Johannes Haak aus Hildburghausen

   

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